Rüdiger Plantiko

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Linke und linksliberale Kreise sehen den Menschen gerne als zwar im Grunde begeisterungsfähig, aber von wachsweichem Wesen: beliebig von den Herrschenden zum Guten und zum Schlechten manipulierbar, ist er eigentlich ein reines Opfer. Das Böse verantwortet er nicht selbst, es ist immer durch andere induziert - zum Beispiel durch bösartige "Strukturen" der Gesellschaft. Auf die man schön schimpfen kann, um sich als Guter auszuweisen – ohne jemandem weh zu tun.

Andere gehen weiter und benennen auch klar einen Schuldigen: die herrschende, die besitzende Klasse (die Menschen, die dieser Klasse angehören, sind also paradoxerweise sehr wohl zum Bösen fähig, sie sind nicht Opfer, sondern stellen die eigentlich beneidenswert Freien dar in diesem Narrativ - aber das ist nur ein beiläufiger Widerspruch). Oder einen Demagogen, den Satan in Menschengestalt – Hitler oder Frauke Petry – der die Menschen führt, wohin sie nicht wollen.

Auf jeden Fall ist nicht der "einfache Mensch" selbst für sein böses Handeln zur Verantwortung zu ziehen. Er ist Opfer, und sein freier Wille ist eine Illusion, somit ist er auch nicht schuldfähig. Die Gesellschaft ist schuld – oder, wenn man schon einzelne Menschen benennen will, dann sind es die finsteren, hassvollen Repräsentanten eines eigentlich längst verflossenen Zeitalters, die rückwärtsgewandte Ziele verfolgen, statt offen in die lichte Zukunft zu schreiten, die die linke oder globalistische Geschichtsprophetie ihnen verheißt.

Die daraus abgeleiteten politischen Maximen sind

  • Unser gesamtes politisches Handeln muss darauf angelegt sein zu verhindern, dass ein neuer Hitler die Macht über diese wachsweichen, beliebig formbaren Menschenmassen gewinnt.
  • Das kann nur geschehen, indem wir selbst von unserer Formungsmacht Gebrauch machen, denn: entweder formen wir - oder es formen die Menschenfeinde. Wir sind eine kleine, privilegierte Klasse von Menschenformern, die die hohe Aufgabe haben, die Menschen zu veredeln.
  • Wir müssen aus allen Rohren Propaganda gegen den Hass machen. Es herrscht direkte Proportionalität: Je mehr Propaganda gegen den Hass wir machen, desto mehr wird der Hass aus den Herzen der Menschen verschwinden.
  • Nach oben gibt es für Propaganda keine Grenzen: die edelste Aufgabe der Vierten Gewalt, der Presse ist es, die Menschen zur Liebe zu erziehen und den Hass aus ihren Herzen auszuradieren.
  • Der Hass ist die Ursache, daß es Spannungen, Gewalt und Kriege zwischen den Menschen gibt. Wenn Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen in dichtbevölkerten Siedlungsräumen zusammengepfercht leben müssen und es dabei zu Gewalt und Spannungen kommt, so liegt das einzig und allein daran, dass es noch zu viel Hass in den Herzen der Menschen gibt. Und die Ursache hiervon kann nur sein, dass wir immer noch zuwenig Propaganda gegen den Hass verbreiten - es ist ja unsere Schuld: unsere Erziehung zur Menschenliebe ist schwächer als die Hetzpropaganda der rechtspopulistischen Menschheitsfeinde. Da das Volk als willenlose Masse der jeweils stärkeren Kraft folgt und unsere Propaganda nicht stark genug ist, folgen sie den Menschheitsfeinden.
  • Jeder, der diesem Programm entgegensteht, weil er etwa darauf verweist, dass der Mensch moralisch nur begrenzt formbar und zivilisierbar ist, dass seine Natur ihn mit bösen Seelenabgründen ausgestattet hat, die bestenfalls eingehegt, aber niemals ganz ausgerottet werden können, dass er ein institutionelles Gefüge braucht, innerhalb dessen er gedeihen und seine Kraft zum Besten entfalten kann, ist ein Menschheitsfeind und muss bekämpft werden.
  • Jeder, der unserem Programm entgegensteht, ist ein verkappter Hitler, ein Demagoge - einer, der die Menschen, die Opfer, auf den falschen Weg führt. Es nützt ihm nichts, sich vom Nationalsozialismus oder von Hitler zu distanzieren. Das ist nur eine List des Menschheitsfeindes, so zu tun als wäre er keiner.

Ich brauche das nicht weiterzuführen: es ist klar, dass man sich mit diesem Menschenbild in beliebige Grade der Hysterie hineinschrauben kann.

Ich will versuchen, etwas Bodenhaftung zu gewinnen:

  • Natürlich sind Menschen selbst, nicht die Gesellschaft, verantwortlich für das, was sie tun. Dass es dabei Grade der Verantwortung und auch Einflüsse durch Milieu, durch die vererbte Intelligenzhöhe, den angeborenen Charakter und vieles andere gibt - denn wir kommen schon nicht als unbeschriebenes Blatt auf die Welt - ändert nichts an der grundsätzlichen Verantwortung und Freiheit.
  • Deswegen - weil die Menschen sind, wie sie nun einmal sind, weil sie keine beliebig formbare Knetmasse darstellen - gibt es auch Grenzen der Manipulation und Propaganda. Das ist es, was der Mainstream zur Zeit mit offenem Mund bemerkt: all seine Propaganda für die multikulturalistische Politik, obwohl von einer nie dagewesenen Intensität und Einhelligkeit, stößt an ihre Grenzen. Sie ist zwar nicht wirkungslos, aber es gibt eine Obergrenze der Manipulation, ab der die Menschen sich zunehmend von der propagierten Politik abwenden und Gegenkräfte aufbauen oder unterstützen.
  • Was gemeinhin als Hass bezeichnet wird, ist oft besser als Antipathie begriffen. Es ist an sich moralisch neutral, ein mehr oder weniger intensives Gefühl der Abgrenzung oder Ablehnung, für das es auch gute Gründe geben kann. Es wird nicht von bösen Menschheitsfeinden in die Seele eingespritzt, sondern gehört zum normalen menschlichen Seelenleben dazu - ebenso wie sein Gegenstück, die Sympathie. Auch die Sympathie - als Menschen verbindende Kraft, als Anziehung zwischen Menschen - ist per se moralisch neutral (mit der Liebe ist die Sympathie nicht in einen Topf zu werfen: es gibt einen Zusammenhang, aber bei weitem keine Deckungsgleichheit).
  • Einen gesunden "Hass" bringe ich zum Beispiel dem entgegen, der droht, mich, mein Eigentum oder meine Lebenswelt zu zerstören oder zu schädigen. Der Hass ist dann eine Massnahme der Selbsterhaltung. Das wäre ein Hass, der eine klare Ursache hat. Und es stimmt - natürlich ist Hass der kleine Bruder der Gewalt: in dem Maße, in dem der andere mich bedroht, wächst die Intensität meiner Gegenmaßnahmen - vom funkensprühenden Abwehrgefühl über die verbale bis zur physischen Gewalt. Natürlich gibt es auch pathologischen Hass, Hass aus einem Wahn oder einer fixen Idee - aber das delegitimiert nicht den nicht-pathologischen, den gerechtfertigten Hass.
  • Der "Kampf gegen den Hass" ist daher vor allem ein Kampf gegen Symptome und ein Kampf gegen Windmühlen. Der Hass wird nie aus den Herzen der Menschen auszumerzen sein. Das Beste, das wir an dieser Front erreichen können, ist Auswüchse einzudämmen, den Hass zurückzustutzen, und die Umstände zu vermeiden, die den Hass begünstigen, soweit dies möglich ist.
  • Was ich hier gerechtfertigte antipathische Kräfte nenne, ist notwendig, um eine Gesellschaft zu betreiben. Eine universelle Menschen- oder Feindesliebe ist in dieser Welt nicht lebbar. Jeder Richter, jeder Polizist, jeder Soldat weiß, wovon ich spreche: Er muss distanzierende, ausgrenzende, abwehrende, verurteilende, antipathische Kräfte ausüben, die auf den Erhalt des Eigenen gerichtet sind. Man kann dem Richter nicht mit dem Evangelium "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet" kommen: der Richter muss richten, im Interesse der Gemeinschaft. Polizisten und Soldaten müssen antipathische Handlungen, Abwehrhandlungen gegen Menschen vornehmen, die die eigene Ordnung von innen oder von außen angreifen. Wenn sie das mit Verweis auf "Liebe deine Feinde" unterlassen würden, würden sie die Existenz ihrer Gesellschaft riskieren. Das alles sind eigentlich Selbstverständlichkeiten. Es ist Aufgabe der Christen, ihre Ethik so zu formulieren, dass sie nicht mit dem grundsätzlichen Existenz- und Überlebensanspruch ihres Volkes, ja der Völker überhaupt, in Widerspruch gerät. Ein Anstoß hierzu können eventuell die Ausführungen von Pastor Sheldon Emry Sollen Christen böse Menschen lieben? sein.
Veröffentlicht: Samstag, den 25. Juni 2016