Rüdiger Plantiko

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Es gibt ein bekanntes Zitat von Martin Niemöller:
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.[1]
Dieser Spruch - obwohl er einen sinnvollen Kern enthält, nämlich den Aufruf, politisch aktiv zu werden, um staatliche Bevormundung und Willkür zu verhindern - ist heute ziemlich ausgeleiert. Auf jeder Demonstration, zu welchem Thema auch immer, hält einem mindestens ein Demonstrant ein Transparent diesen Inhalts vor die Nase. Jedes Mitglied einer beliebigen Opfer-Bewirtschaftungs-Lobby macht sich dieses Motto zueigen: zur Untermauerung seines Anspruchs, dass man sich unbedingt für die angeblich schlimm verfolgte Minderheit XYZ (welche Minderheit es ist, ist eigentlich egal, Hauptsache Minderheit) einzusetzen habe.

Es ist ja so Mainstream, sich für Minderheiten einzusetzen! Heute ist es längst der Anwalt der Minderheiten, der mit dem Strom schwimmt und den entsprechenden Vorteil in Medien, Politik und öffentlicher Meinung einkassiert. Er kann sich in dem Gefühl sonnen, ein guter Mensch zu sein und auf Seiten der Gerechtigkeit und der höheren Moral zu kämpfen - gegen ein Heer von Spiessern und kleingeistigen Kryptofaschisten, die an ihren Stammtischen eine neue Nazi-Diktatur aushecken. Durch ihren "mutigen", "zivilcouragierten" Einsatz machen die zertifiziert Guten diesen Spiessern einen Strich durch die Rechnung: Ha! Ohne uns!

Politik, Medien und Akademiker arbeiten gemeinsam an einem Projekt: der Zerstörung der Mehrheitsgesellschaft. Nicht alle sagen das so offen heraus wie der norwegische Sozialanthropologe Thomas Hylland Eriksen, der als Ziel seiner Arbeit angibt, die Mehrheitsgesellschaft zu dekonstruieren, so dass nie mehr von etwas wie einer Mehrheit die Rede sein kann.[2]

Aus allen Rohren wird die Mehrheitsgesellschaft unter Beschuss genommen - alles was die Gesellschaft zusammenhält: gemeinsame Traditionen und Herkunft, ihre Religion, Ehe und Familie als vorherrschendes Partnerschaftsmodell – grundsätzlich alles, was den Erhalt der Gesellschaft je garantiert hat, wird zum Abschuss freigegeben – immer im Dienste einer utopischen "besseren Welt, frei von Herrschaft und jeglicher Diskriminerung".

Die diese Agenda vorantreiben, sind sich oft der Zerstörung, die sie anrichten, gar nicht bewusst: sie betrachten die stabile Mehrheitsgesellschaft als etwas selbstverständlich Gegebenes, als etwas, um dessen Fortbestand man sich keine Sorgen zu machen braucht – Motto: "Die Mehrheit ist ja stark!"

Dabei erfordert eine zivilisierte Gesellschaft stets diese Mehrheit, die sich fortwährend um eine gemeinsame moralische Substanz der Gesellschaft bemüht, und dies ist kein selbstverständlich und zuverlässig gegebener, sondern ein hochgradig fragiler Zusammenhang. Zivilisation ist immer ein Wagnis und stets vom Rückfall in die Barbarei bedroht - wie es der französische Schriftsteller Rivarol (1753-1801) sagte: Die zivilisierten Völker sind der Barbarei so nahe wie das bestgeschliffene Eisen dem Rost. Völker wie Metalle glänzen nur an der Oberfläche.[3]

Wenn man heute das Niemöller-Zitat ernstnehmen und politisch aktiv werden würde, müsste man an der Erhaltung der europäischen Kulturen arbeiten: Ihrer Traditionen, ihres nationalen Zusammenhalts. Man müsste sich allen entgegenstellen, die - um eines illusionären, utopischen Ideals willen - an der Zerschlagung dieser Zusammenhänge arbeiten.

Weiterführend zu diesem Thema empfiehlt sich der Blog von Fjordman über die Dekonstruktion der Mehrheitsgesellschaft.

Veröffentlicht: Dienstag, den 24. Juni 2014